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Pyrrolizidinalkaloide in Honig

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Stoffwechselprodukte, die von einer Vielzahl weltweit vorkommender Pflanzenarten zum Zweck der Abwehr von Fressfeinden gebildet werden. Aufgrund ihres gesundheitsschädigenden Potenzials sind PA in Lebens- und Futtermitteln unerwünscht. PA können auch in den Bienenprodukten Honig und Pollen vorkommen.


Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES wurden im Jahr 2012 neben Importhonigen auch deutsche Honige auf ihren Gehalt an PA sowie den Anteil an Pollen der kritischen Pflanzenarten untersucht.


Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Stoffwechselprodukte, die von einer Vielzahl weltweit vorkommender Pflanzenarten zum Zweck der Abwehr von Fressfeinden gebildet werden. PA können auch in den Bienenprodukten Honig und Pollen vorkommen.

Es sind bisher hunderte verschiedene PA bekannt, von denen bestimmte Strukturen lebensbedrohliche Leberschäden hervorrufen können und als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft sind. Tierversuche hatten ergeben, dass PA krebserregend sein können. Zahlreiche Todesfälle bei Mensch und Tier sind auf die Aufnahme PA-haltiger Pflanzen oder Pflanzenteile zurückzuführen.

Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) Bildrechte: LWK NRW  
Abb.1: Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) © LWK NRW
Bildrechte: Landwirtschaftskammer NRW



Zu den bei uns heimischen PA-haltigen Pflanzen gehören z.B. das Jakobskreuzkraut (Abb. 1) und der Gewöhnliche Natternkopf (Abb. 2).

Echium vulgare, Gewöhnlicher Natternkopf (Quelle: Dr. Till Beuerle)  
Abb.2: Echium vulgare, Gewöhnlicher Natternkopf © Dr. Till Beuerle
Bildrechte: Dr. Till Beuerle


Werden solche Pflanzen über Futtermittel wie Heu und Silage von Nutztieren aufgenommen, können sie Vergiftungs­erscheinungen beim Tier hervorrufen und auch in Milch und Eier gelangen. Eine wichtige Expositionsquelle für den Menschen ist des Weiteren Honig, da Bienen auch Nektar von PA-produzierenden Pflanzen sammeln.

Gibt es Grenzwerte?

Es gibt keine gesetzlichen Grenzwerte für PA in Futter- bzw. Lebensmitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, die Gesamtexposition des Verbrauchers so gering wie möglich zu halten.

Für eine umfassende Expositionsabschätzung und eine abschließende Risikobewertung muss die Datenbasis zum Vorkommen und zur Toxizität der PA erweitert werden. Grundlage hierfür ist die Etablierung einer validierten Methode zur quantitativen Bestimmung der PA, wobei sich aufgrund der zahlreichen verschiedenen chemischen Verbindungen dieser Substanzklasse folgende Schwierigkeit ergibt: zur analytischen Erfassung der einzelnen PA werden Referenzsubstanzen benötigt, die bisher nur für sehr wenige Verbindungen kommerziell erhältlich sind. Eine andere Möglichkeit ist die summarische Erfassung der toxikologisch relevanten PA, indem diese vor der eigentlichen Messung durch chemische Umsetzung auf einen bestimmten Molekülteil, d. h. das ihnen gemeinsame Grundgerüst, reduziert werden. Eine solche Methode wurde an der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Würzburg speziell für die Bestimmung in Honig entwickelt (Kempf et al., 2008). Im Lebensmittel - und Vetererinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES wurde diese Methode nach einigen Modifikationen etabliert und validiert.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Neben Importhonigen wurden deutsche Honige auf ihren Gehalt an PA sowie den Anteil an Pollen der kritischen Pflanzenarten untersucht. Die bestehende Datenbasis wurde um Ergebnisse aus 2012 erweitert. In den Medien wurden 2012 „giftige Pyrrolizidine aus Senecio in deutschen Honigen" intensiv thematisiert. Dies führte zu einer großen Verunsicherung bei Verbrauchern. Deshalb wurden gezielt weitere Honigproben von Imkern, insbesondere aus Norddeutschland, wo eine hohe Verbreitung von Senecio vermutet wird, auf relevante Pollen und PA-Gehalte untersucht.

Nach den Daten der letzten drei Jahre (n = 164) liegen 73 Prozent der Proben unterhalb der Bestimmungsgrenze bzw. 61 Prozent unterhalb der Nachweisgrenze. Zwölf Prozent der Proben liegen oberhalb von 21 μg / kg und damit bezogen auf die Empfehlungen des BfR im kritischen Bereich. Bis dato wurde kein Grenzwert festgelegt. In den Honigen mit positivem PA-Nachweis konnten auch die Pollen der kritischen Pflanzen nachgewiesen werden. Gleichwohl besteht keine Korrelation zwischen der Anzahl kritischer Pollen und dem PA-Gehalt.


Weitere Informationen zu Pyrrolizidinalkaloiden:

Quellen:

  • Kempf, M., Beuerle, T., Bühringer, M., Denner, M., Trost, D., von der Ohe, K., Bhavanam, V.B.R., Schreier, P., Pyrrolizidine alkaloids in honey: Risk analysis by gas chromatography-mass spectrometry, Mol. Nutr. Food Res. 2008, 52, 1193-1200.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung, Salatmischung mit Pyrrolizidinalkaloid-haltigem Greiskraut verunreinigt - Stellungnahme Nr.028/2007 des BfR vom 10.01.2007. (http://www.bfr.bund.de/cm/208/salatmischung_mit_pyrrolizidinalkaloid_haltigem_greiskraut_verunreinigt.pdf)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme zur Analytik, Toxizität und Einschätzung des gesundheitlichen Risikos von Pyrrolizidinalkaloiden vom 30.11.2009.
  • Opinion of the Scientific Panel on Contaminants in the Food Chain on a Request from the European Commission related to Pyrrolizidine Alkaloids as Undesirable Substances in Animal Feed, The EFSA Journal (2007) 447, 1-51 (http://www.efsa.europa.eu/de/scdocs/scdoc/447.htm)
Honig (Quelle: Honig-Verband e.V.)

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