LAVES klar

Radioaktivitätsuntersuchungen von niedersächsischen Wildfleischproben

Im Veterinärinstitut Hannover (jetzt: Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover) wurden in geringer Probenzahl bereits etliche Jahre vor dem Unfall im Atomreaktor von Tschernobyl Fleischproben von Wildtieren auf Radioaktivität untersucht. 1988 wurde dann vom Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (jetzt: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) als Reaktion auf die Tschernobylkatastrophe ein so genanntes Wildmonitoring eingerichtet, mit dessen landesweiter Durchführung das LAVES beauftragt wurde. Neben einer Vielzahl anderer Lebensmittel, die im Routinemessprogramm untersucht werden, werden im Rahmen dieses Wildmonitorings jährlich 120 Rehwild-, 30 Schwarzwild- sowie einige Rot- und Damwildproben angefordert. Mehr als 25 Jahre nach dem Tschernobyl-Geschehen ist von den künstlichen Isotopen nur noch das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von ca. 30 Jahren relevant.

Gesamtcäsiumbelastung von Reh- und Schwarzwild 1980 - 2015 in Niedersachsen  

Bis zum 31.10.2015 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES bisher 77 Wildproben hinsichtlich Umweltradioaktivität gemessen, darunter 45 Rehwild- und 24 Schwarzwildproben.

Seit rund 15 Jahren stagniert der Gehalt an radioaktivem Cäsium-137 bei Rehwild und Rot- bzw. Damwild aus Niedersachsen bei einem niedrigen Medianwert von etwa 15 Becquerel (Bq) pro Kilogramm Fleisch. Der Medianwert ist der Messwert einer Reihe von Messwerten ober- bzw. unterhalb dem jeweils 50 % der übrigen Werte liegen.

Demgegenüber werden beim Schwarzwild Schwankungen im Gehalt an Cäsium-137 festgestellt: Beispielsweise lag im Jahr 2003 der Medianwert beim Schwarzwild ebenfalls bei nur 20,2 Bq. Der höchste Wert, der in einer Schwarzwildfleischprobe gemessen wurde, betrug 285 Bq je kg Fleisch. Er lag damit deutlich unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq je kg. Ein Jahr später betrug der Medianwert jedoch 60,5 Bq. Der maximal ermittelte Wert im Jahre 2004 lag bei 1.043 Bq. Der EU-Grenzwert wurde aber nur bei zwei Wildschweinproben überschritten. Für diese, scheinbar verwirrenden Unterschiede - man geht ja aufgrund des Zerfalls von einer kontinuierlichen Abnahme der Radioaktivität aus - sind klimatische und geographische Faktoren verantwortlich. Das Phänomen tritt dann auf, wenn die Wildschweine bei Nahrungsmangel und schlechter oder fehlender Baummast durch Eicheln oder Bucheckern im Winter vermehrt Futter aus Bodenschichten aufnehmen, sofern Frost und Schneelagen es zulassen. In bestimmten Gebieten sind diese Bodenschichten durch Auswaschen radioaktiver Partikel aus der Atmosphäre durch Regen - vor allem nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl - in Verbindung mit besonderen geologischen Gegebenheiten mit einem vergleichsweise erhöhten Gehalt an Radionukliden belastet. Das Verhalten der Wildschweine bei der Nahrungssuche kann dann daher vereinzelt zu einem ebenfalls erhöhten Gehalt an Radionukliden im Wildschweinfleisch führen. Auch für 2015 zeichnet sich bei Schwarzwild ein höherer Wert ab – dies beruht in diesem Fall wahrscheinlich auf einem geringeren Probenanteil von (jüngerem) Fallwild gegenüber den früheren Jahren. Tiere, bei denen eine Überschreitung des Grenzwertes festgestellt wird, werden vom Verzehr ausgeschlossen.


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